Unser Gemeindeverständnis


Wer wir sind

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Brüdergemeinde) in Rostock, Margaretenstraße 24, gehört zu dem Zweig der großen Erweckungs- und Gemeinschaftsbewegung, die auf den reformatorischen Durchbruch biblischen Christusglaubens im 16. Jahrhundert zurückgeht. Daraus entwickelten sich im 18. u. 19. Jh. sowohl innerkirchliche Gemeinschaften als auch freikirchliche Gemeindegruppen.

Die Brüdergemeinden entstanden in Großbritannien um 1830, in Deutschland um 1850, als Christen verschiedener Kirchen und Freikirchen die Einheit untereinander suchten.

In Anlehnung an die Worte Jesu Christi:

„Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“  (Mt. 18,20) und

„Denn einer ist euer Lehrer, der Christus, ihr alle aber seid Brüder“ (Mt. 23,8b)

versammelten sie sich in „bruderschaftlicher“ Gestaltung und Leitung und wurden deshalb als „Brüder“ bekannt. Selbstverständlich sind Frauen hier mit einbezogen.

Im Jahr 1941 hat sich die Mehrzahl der Brüdergemeinden mit den Baptistengemeinden in einem „Bund Evangelisch- Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), K.d.ö.R. zusammenge-schlossen.

Diese Bundesgemeinschaft besteht für einen Teil der Brüdergemeinden bis heute.

Um das Gemeinsame der Brüdergemeinden zu fördern, kam es 1982 zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden (AGB) im BEFG.

Da jede örtliche Gemeinde nur ein Teil der weltweiten Gemeinde Jesu Christi ist, wissen wir uns mit allen Christen, auch in unserer Stadt verbunden.


Wie wir Gemeinde verstehen

Jesus Christus bildet die Grundlage der Gemeinde. Der Auftrag der Gemeinde hat eine dreifache Ausrichtung:

 

 zu Gott

Die wichtigste Aufgabe der Gemeinde ist es, Gott als unseren Schöpfer und Erlöser zu loben, ihn anzubeten und ihm zu dienen.

(1. Thess. 1,9; Röm. 12,1; Eph. 3,10.21)

 

  zu Geschwistern

Der Dienst aneinander geschieht in biblischer Lehre, seelsorgerlicher Begleitung, Ermutigung und Korrektur sowie in gegenseitiger praktischer Hilfe.

(Röm. 15,14; Gal. 5,13)

 

 zur Welt

Die Gemeinde bezeugt durch Mission und Diakonie allen Menschen den Tod und die Auferstehung Jesu Christi als rettende Tat und Ausdruck der Liebe Gottes. (Joh. 3,16) Ihre missionarische und diakonische Verantwortung gilt vor Ort und weltweit.


Wie wir Gemeinde leben

Wichtige Elemente unseres Gemeindelebens sind nach Apg. 2,42:

 

1. Gottes Wort

Wir bekennen uns zur göttlichen Eingebung der ganzen Heiligen Schrift, ihrer Zuverlässigkeit und Autorität in allen ihren Aussagen.

Die Bibel ist maßgebend für Lehre, Leben und Ordnung der Gemeinde. (2. Tim. 3,16; 2. Petr. 1,20f)

Deshalb sind die Predigt im Gottesdienst und die Vermittlung biblischer Lehre in Bibelgesprächskreisen und altersspezifischen Gruppen wesentliche Bestandteile des Gemeindelebens.

 

2. Gemeinschaft 

Menschen werden zu einer Gemeinschaft, wenn sie etwas Gemeinsames verbindet. Wir sind verbunden im Glauben an Jesus Christus und pflegen deshalb Beziehungen zueinander durch Zusammenkünfte, persönliche Kontakte, Besuche und gemeinsame Freizeitgestaltung.

 

3. Abendmahl

Jesus selbst hat das „Mahl des Herrn“ eingesetzt. Es ist unverzichtbarer Bestandteil des Christenlebens. Wir verstehen es als:

 Gabe und Auftrag (Mt. 26,26-28)

Wenn wir dieses Mahl feiern, bekennen wir uns als die von ihm Beschenkten und seinem Auftrag Gehorsamen.

 Zeichen (Luk. 22,19f)

Das Brot ist Hinweis auf den Leib, der Kelch auf das Blut unseres Herrn Jesu Christi, der als Sühnopfer zur Vergebung unserer Sünden am Kreuz gestorben ist.

 Gedächtnis- und Anbetungsmahl (1. Kor. 11,24f; Hebr. 13,15)

Wir vergegenwärtigen uns das Leiden und Sterben Jesu zu unserer Erlösung. Das führt zum Dank und zur Anbetung. 

 Gemeinschaftsmahl (1. Kor. 10,16f)

Wir bekennen die Gemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus und erfahren und bezeugen die Gemeinschaft untereinander. 

 Verkündigungs- und Hoffnungsmahl (1. Kor. 11,26)

Wir feiern das Abendmahl im Blick auf den wiederkommenden Herrn Jesus Christus.

In unserer Gemeinde findet die Mahlfeier in der Regel wöchentlich am Sonntagvormittag statt. Als Gemeindeglieder haben wir Abendmahlsgemeinschaft. Gäste der Gemeinde sind, sofern sie wiedergeborene Christen sind, herzlich eingeladen, am Mahl des Herrn teilzunehmen.

Am Abendmahl soll niemand teilnehmen, der in offenbarer oder bewusster Sünde lebt. Dabei trägt jeder für sich selbst Verantwortung vor Gott. (1. Kor. 11,28-30)

In solcher Abendmahlsgemeinschaft möchten wir mit dazu beitragen, dass die Gemeinschaft des Leibes Christi sichtbar wird.

 

4. Gebet

Beten ist Reden mit Gott. Anbetung, Dank, Beugung und Fürbitte sind feste Bestandteile des Gemeindelebens. Sie schließen alle Lebensbereiche und -situationen mit ein. In Gottesdiensten, Gebetsversammlungen und Gebetskreisen danken wir für Gottes Zuwendung zu uns und beten allseitig für persönliche und gemeindliche Anliegen, für Mission und Gesellschaft.


Wie man in die Gemeinde kommt

Jeder, der an Jesus Christus als seinen persönlichen Herrn und Erlöser glaubt, hat Vergebung der Sünden und ewiges Leben. Er gehört damit zur Gemeinschaft der Kinder Gottes und ist ein Teil am Leib Christi, der Gemeinde. Diese Zugehörigkeit soll ihren Ausdruck dadurch finden, dass der Gläubige auch Mitglied einer örtlichen Gemeinde ist oder wird.

Für die Zugehörigkeit zu unserer Ortsgemeinde gelten folgende biblische Kriterien:

 

1. Eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus

Darunter verstehen wir eine persönliche Hinwendung zu Gott, Sündenbekenntnis und Annahme der Vergebung, die Gott durch die Gabe des Heiligen Geistes und des neuen Lebens bestätigt.

 

2. Taufe

Weil Jesus selbst den Auftrag gegeben hat: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, indem ihr diese tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt. 28,19) taufen wir Menschen auf das Bekenntnis ihres Glaubens an Jesus Christus. Wir verstehen die Taufe als ein Bekenntnis und eine zeichenhafte Handlung, wodurch der Täufling durch Untergetauchtwerden den Übergang zu einem neuen Leben mit Jesus bezeugt.

Sofern Gläubige aber noch nicht zur Erkenntnis der Glaubenstaufe gekommen sind, verweigern wir ihnen - als seelsorgerliche Ausnahme von der Regel der Glaubenstaufe - die Mitgliedschaft nicht.

 

3. Bitte um Aufnahme in die Gemeinde

Niemand wird in die Gemeinde hineingeboren oder gegen seinen Willen von der Gemeinde vereinnahmt. Wer in die Gemeinde aufgenommen werden möchte, äußert den Wunsch und bittet um ein Gespräch mit Verantwortlichen (Ältesten) der Gemeinde.

Dieser Wunsch wird der Gemeinde vorgeschlagen und gilt als angenommen, sofern nicht innerhalb von 14 Tagen seitens der Gemeindeglieder widersprochen wird. Aus praktischen Gründen der Gemeindearbeit wird die Mitgliedschaft in einer Gemeindeliste vermerkt.

Die Mitgliedschaft ist nur in einer Ortsgemeinde möglich und erlischt durch Überweisung, Austritt, Ausschluss oder Tod.


Wie die Gemeindemitgliedschaft konkret wird

 durch einen an der Bibel orientierten Lebensstil 

 

 durch verbindliche Teilnahme am Gemeindeleben

Dazu gehört nach Möglichkeit der Besuch der regelmäßigen Gemeindeveranstaltungen.

 

 durch Mitarbeit in der Gemeinde

Unsere Gemeinde lebt davon, dass wir einander ergänzen und dienen. Das in der Bibel verwendete Bild vom menschlichen Körper (Leib Christi) veranschaulicht die Tatsache, dass Gemeinde nicht (nur) Organisation, sondern Organismus ist. Wir möchten gern, dass jedes Gemeindeglied seiner Gabe entsprechend an wenigstens einer Stelle verbindlich in der Gemeinde mitarbeitet. Die Übernahme von Aufgaben sollte sich an der persönlichen Lebenssituation und den Bedürfnissen der Gemeinde orientieren. Ansprechpartner für die Mitarbeiter sind die benannten Gemeindeverantwortlichen.

 

 durch finanzielle Beteiligung 

In unserer Gemeinde werden keine Kirchensteuern oder festgelegte Beiträge erhoben. Alle Arbeitsgebiete der Gemeinde werden aus freiwilligen Beiträgen finanziert. Jedes Gemeindeglied darf mit seinen finanziellen Gaben dazu beitragen, dass die Gemeinde ihre finanziellen Verpflichtungen örtlich und übergemeindlich erfüllen kann. (2. Kor. 9,7; Hebr.13,16) 


Schlussbemerkung

Gemeindestrukturen sind von verschiedenen Faktoren abhängig und somit auch veränderlich.

Dieses Gemeindeverständnis entspricht nach unserer Erkenntnis dem biblischen Zeugnis.


Rostock, im Januar 2005